Die Linde an der Dorfaue

Es sind nicht nur Eichen, die in der Ortsgeschichte von Bedeutung sind. So zum Beispiel die imposante Linde nahe dem Gedenkturm. Selbige befand sich noch in den 1950er Jahren auf dem Grundstück Dorfaue 7, die schon damals durch die Begrenzung hindurch zu wachsen begann .

Ist selbige die in der Literatur (1910) beschriebene  Schweden-linde“ (die Romanhandlung spielt in den 1830er Jahren) ?

Ein alter, das Ortsbild prägender Baum ist die Linde allemal. Aber wie alt mag sie wohl sein?

Damals war's:

 

1) Jens Wegener in: MAZ vom 07.06.1997
2) M. Schade „Wetterwolken“, Berlin, 1910
Repro von Foto Kiersch (MAZ vom 07.06.1997): M. Michael

 

Ohne jeden Zweifel ist die imposante Linde nahe dem Gedenkturm ein markanter Hingucker.
„Das Attribut, „zweites Wahrzeichen“ von Großbeeren zu sein, wird in der Öffentlichkeit nicht so wirklich wahrgenommen. Mit dem Projekt „Historischer Pfad“ lässt sich daran etwas ändern, in dem die Linde als ein Objekt darin integriert wird. Über sie kann folgendes erzählt werden:

„Wenn unser Baum erzählen könnte, könnten Sie ganze Romane aufschreiben“ – so empfängt der Rentner Paul Ribbecke (✝ 2006) den Journalisten Jens Wegener und beginnt zu erzählen: „Die Hoftür klemmt etwas, lässt sich aber noch öffnen und schließen. Die Wurzeln des hölzernen Riesen gleich daneben haben den Boden hochgedrückt, die Mauer ist gerissen, der Pfeiler schief. Aber jetzt mache ich nichts mehr neu, denn demnächst wird die B 101 (inzwischen zur Landstraße umgewidmet) umgebaut*, der Fußweg gemacht, der Vorgarten wird kleiner, und der Baum steht dann draußen.“

Über die Jahre wurde die riesige Linde 5,10 Meter dick und etwa 25 Meter hoch. Keiner weiß genau, wie alt er wirklich ist.
„Zuletzt kamen die Naturschützer 1992, haben gemessen und untersucht. 450 bis 500 Jahre hieß es dann. Aber es ist bestimmt die älteste Linde in Brandenburg.“
Die Geschichte des Hauses Dorfaue 7, gebaut von Paul Ribbeckes Großvater (Johann Ribbecke *1858; ✝1942) im Jahre 1863, ist unzertrennlich mit der alten Linde verknüpft. Paul Ribbecke erinnert sich:

„Damals stand die Hofmauer noch weit weg vom Stamm, selbst ich bin als Kind noch zwischen Mauer und Baum durchgeklettert“
Als Anfang des 20. Jahrhunderts in Großbeeren Telefonleitungen verlegt wurden, ging es der Linde an den Kragen bzw. an die Krone. Sie musste so beschnitten werden, dass die überirdische Leitung schließlich quer durch den Baumgipfel verlief. Dann ist der Baum gewachsen und gewachsen.
Vor 50 Jahren musste die Mauer dann durch eine Holzwand ersetzt werden. Jahre später durchdrang der Baum auch die Bretterwand, die immer wieder dem Wachstum des Baumes angepasst werden musste, letztmalig 1994. Zwischen dem Baum und der Bretterwand durften keine Lücken sein, weil ansonsten fremde Kleintiere auf den Hof gelangen könnten.“

Nun steht die Linde nicht mehr auf ihrem Grundstück, sie ist jetzt ein zierender historischer Bestandteil unseres Ortes geworden.“

* inzwischen verläuft die B101 nicht mehr durch den Ort, sie wird außerhalb vorbeigeführt

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