Kaisereiche

Die Kaisereiche

Die Eiche an der Schule in Großbeeren, von der die älteren Menschen aus Großbeeren erzählen, es sei die Kaisereiche, ist eine Stileiche, die 1997 unter Naturschutz gestellt wurde. Aus welchem Grund?

Weil sie Kaisereiche genannt wird? Nein, keineswegs!

Schutzkriterien sind Alter, Schönheit und Größe des Baumes und ob dieser für das Ortsbild prägend ist. Letzteres ist zu bejahen. Schön ist sie auch und was die Größe anbetrifft, so misst sie 25 m in der Höhe und der Stammumfang beträgt zirka 3,80 m.
Die Eiche vor der Schule ist leider nicht mehr im besten Zustand, wie aus dem nachfolgenden Bild zu ersehen ist. Nach Auskunft der unteren Naturschutzbehörde sollte sie 2007 saniert werden, doch bislang geschah nichts. Nach unbestätigten Informationen wurde die Eiche  inzwischen wieder von der Denkmalliste gestrichen. Kosten für den Baum fallen erst dann wieder an, wenn er gefällt wird und das ist nur eine Frage der Zeit. Aber noch ziert sie das Ortsbild (2018).

Zu den ältesten Eichen in Großbeeren gehört dieser Baum nicht unbedingt, denn es gibt ältere. Aber warum nur wird sie als die Kaisereiche bezeichnet?

Die letzte Zeitzeugin der Pflanzung war Martha Brandt (*1886; ✝1976) aus Großbeeren . Sie wurde 1892 eingeschult und hat als Schulkind die Pflanzung miterlebt. Das genaue Datum erwähnte sie nicht oder es ist einfach nur in  Vergessenheit geraten.
Zu jener Zeit hätten vier Anlässe in Betracht gezogen werden können:

  1. 1896. 25 Jahre Kaiserreich
  2. 1897. 100. Geburtstag von Kaiser Wilhelm I. (*1797; ✝1888)
  3. 1898. 10 jähriges Thronjubiläum Kaiser Wilhelm II. (*1859; ✝1941)
  4. 1899. 40. Geburtstag von Kaiser Wilhelm II.

 

 

Bild 1

Bild 2

Eine 1899 geschriebene Postkarte liefert indes einen Hinweis auf das Datum beziehungsweise grenzt den gesuchten Zeitraum weiter ein, denn die Karte gibt zu erkennen, dass die Eiche bereits innerhalb ihres Schutzzaunes stand (Bild 2).

Eine Notiz im Teltower Kreisblatt lieferte dann eine genaue Klarstellung beziehungsweise Datierung. Es war in der Tat der 100. Geburtstag von Kaiser Wilhelm I. am 22.03.1897, der den Anlass zur Pflanzung dieser Eiche gab.

Für Preußen und so auch für Großbeeren war dieser Tag damals ein großes Ereignis, welches im Ort zwei Tage lang von allen Vereinen gefeiert wurde. So zumindest war es im „Teltower Kreisblatt vom 23. März 1897“ zu lesen.

„Am Geburtstage (22. März) selbst soll auf dem freien Platze an der Teltower Landstraße, gegenüber dem Denkmal, eine Eiche zur bleibenden Erinnerung gepflanzt werden. Die Pflanzung der Gedächtniseiche wird am Montag (22.03.1897) Nachmittag 3 Uhr erfolgen.“ 1)

Übrigens gibt die Ansichtskarte noch weitere geschichtliche Auskünfte.

So ist zum Beispiel erkennbar, dass es auf dem alten Friedhof kaum große Bäume gab, denn die derzeit noch teilweise erhaltenen Linden wurden auch erst 1897 gepflanzt.

Rechts im Bild ist das Denkmalswärterhaus und in der Bildmitte ist eine kleine Brücke oder genauer gesagt ein Brückengeländer zu sehen. Darunter verlief ein Wassergraben, der vom Küsterteich zum Lilograben verlief. Und dass durch den Ort eine Telegrafenleitung verlief, belegt der davor stehende Telegrafenmast.

 

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